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  • ulfschumann

Volker Kutscher: Transatlantik

Aktualisiert: 22. Jan.


Zu der Gereon-Rath-Reihe von Volker Kutscher habe ich gleich auf mehreren Ebenen eine Beziehung. Zum einen sind es Berlin-Krimis, deren historischer Hintergrund exzellent recherchiert ist, viele Schauplätze kenne ich und sie liegen manchmal gleich um die Ecke oder direkt im Kiez. Ich war von Band 1 Der nasse Fisch 2008 an dabei und fiebere jeder Neuerscheinung entgegen. Und nicht zuletzt hatte ich einen kleinen Statisten-Auftritt in der ersten Staffel der Verfilmung namens Babylon Berlin. Wobei ich die TV-Serie kritisch sehe, die Figuren haben nur noch entfernt mit den Originalen zu tun und man wird das Gefühl nicht los, dass das meiste Geld in knallende Effekte geflossen ist, um möglichst international mithalten zu können. Aber das ist eine andere Geschichte.


Vom Gereon-Rath- zum Charlotte-Rath-Krimi

Der neunte Band ist kein Gereon-Rath-, sondern ein Charlotte-Rath-Krimi. Während der Gemahl untergetaucht und nach New York mit der Hindenburg flieht (inklusive Absturz, der Roman spielt im Jahr 1937), löst seine Frau Charly in Berlin einen Mordfall, sucht nach ihrer Freundin Greta und kümmert sich um ihren ehemaligen Ziehsohn Fritze.

Der Krimi spielt, wie schon angedeutet, auf vielen Ebenen und Kutscher verzettelt sich dabei dieses Mal leider etwas. Das Personal an Figuren ist in den letzten Romanen stetig angewachsen und inzwischen etwas verwirrend (war der Polizist Gräf jetzt ein Guter, und was war noch einmal mit Goldstein und Marlow?). Klare Empfehlung: Um in die Reihe einzusteigen, sollte man bei Band 1 beginnen und sich stetig vorarbeiten. Dazu kommt, dass Kutscher sich wiederholt, warum musste es unbedingt wieder ein Attentatsversuch auf Göring sein?


Kurz vor dem großen Finale

Natürlich habe ich auch Transatlantik verschlungen, aber dennoch empfinde ich die Figurencharakterisierung holzschnittartiger als früher, die innere Zerrissenheit angesichts der finsteren Zeiten, in denen der Roman spielt, fehlt diesmal weitgehend. Dennoch gelingt es Kutscher erneut, den richtigen Ton bei den Alltags-Beschreibungen zu treffen und manche historische Ecke Berlins adäquat ins Bild zu setzen, so wie die Kant-Garagen in diesem Band.

Am Ende macht sich Gereon auf den Weg nach zurück Europa, auf dass er im vermutlich letzten Teil wieder in Berlin mit seiner Charly zusammentrifft. Ich warte gespannt.

587 Seiten; Piper; 26 Euro


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