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Kommas bei Infinitiven mit zu

Kommasetzung bei Infinitiven und Infinitivgruppen

Hier also der sechste Blogbeitrag zum allseits sehr beliebten Thema Kommasetzung.

 

Übersicht:

Kommasetzung bei Konjunktionen

Kommasetzung vor und

Kommas bei Aufzählungen

Kommasetzung bei Partizipialgruppen

Kommasetzung vor als und wie

 

Bei der Frage, ob ein Komma bei Infinitiven bzw. Infinitivgruppen mit zu gesetzt werden muss, gibt es drei mögliche Antworten: ja, nein, beides möglich. Das hilft dir jetzt nicht wirklich weiter, also schauen wir uns die drei Optionen an. 

1. Komma ist Pflicht

a)     Es gibt einige Signalwörter, bei denen die Infinitivgruppe vom übrigen Satz durch ein Komma abgetrennt werden muss. Das sind: 

  • als
  • anstatt
  • außer
  • ohne
  • statt
  • um

Anstatt das Auto zu nehmen, fuhr sie Fahrrad.

Außer Mails zu schreiben, schreibt er auch Briefe.

Ohne einen blassen Schimmer zu haben, schrieb er den Test.

Sie geht ins Theater, statt vor der Glotze zu sitzen.

Sie setzt sie sich ihre Brille auf, um besser zu sehen.

 

b)    Wenn die Infinitivgruppe von einem Bezugswort abhängt, muss ebenfalls ein Komma gesetzt werden. Als Bezugswort kann ein Substantiv, ein Korrelat oder ein Verweiswort dienen.

 

Substantiv:

Er bekam die Aufgabe, den Text zu schreiben.

Da war der Platz, an dem sie sich treffen wollten.

 

Ein Korrelat ist hier ein Platzhalter für die folgende Infinitivkonstruktion, nämlich das kleine Wörtchen „es“:

Ich liebe es, einen Blogbeitrag fertigzustellen.

Er hasste es, früh aufzustehen.

 

Verweiswörter sind bspw. dazu, dabei, daran etc.

Wir dachten daran, das Haus zu verlassen.

Sie forderte ihn dazu auf, aus dem Weg zu gehen.

2. Komma ist verboten

In Ausnahmefällen darf kein Komma gesetzt werden. 

 

a)     Das trifft bei Hilfsverben (haben, sein, werden) und den Verben scheinen, brauchen und pflegen zu.

Sie schien zu frieren.

Er brauchte gar nicht erst zu kommen.

Er pflegte zu nerven.

Er hat den Text zu schreiben.

Wir sind einfach zu erreichen.

 

b)    Wenn übergeordnete Sätze verschränkt oder eingeschlossen sind oder eine übergeordnete Klammer bilden.

Die Bundesstraße wollte der Radfahrer zu überqueren versuchen.

Hier lautet der übergeordnete Satz „Der Radfahrer wollte versuchen“ und ist verschränkt mit der Infinitivgruppe „Die Bundesstraße zu überqueren“.

 

Den Alligator-Biss hofft er zu überleben.

„Er hofft“ ist hier der übergeordnete Satz und ist eingeschlossen durch die Infinitivgruppe „Den Allligatorbiss zu überleben“.

 

Ich hatte den Text zu schreiben angesetzt.

Genau, hier lautet der übergeordnete Satz „Ich hatte angesetzt“ und umklammert die Infinitivgruppe „den Text zu schreiben“.

3. Komma kann, muss aber nicht

Wenn ein einfacher Infinitiv vorliegt, kannst du entscheiden, ob du ein Komma setzen willst oder nicht.

Er überlegte(,) zu gehen.

Sie entschied sich(,) zu fahren(,)  und bereute es nicht. (Entweder werden beide Kommas oder kein Komma gesetzt.)

Sie forderte ihn auf(,) zu sprechen.

 

Faustregel: Meistens liegst du mit einem Komma richtig. Die Ausnahmefälle unter 2.  werden nicht sehr oft vorkommen. Und häufig beugt man Missverständnissen vor, denn je nachdem, wo das Komma steht, ändert sich der Sinn:

Ich hoffte später, zu gehen.

Ich hoffte, später zu gehen.

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