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So gendert ihr richtig

Gendergerechte Sprache setzt sich mehr und mehr in unserem Alltag durch und wahrscheinlich wird es eine Frage der Zeit sein, bis wir uns daran gewöhnt haben. Sprache ist flexibel und wandelt sich, das war schon immer so.

Es ist ein Balanceakt, eine gendergerechte Sprache zu verwenden und gleichzeitig einen Text zu schreiben, der sich gut und flüssig liest.

Nun gibt es verschiedene Möglichkeiten, gendergerechte Sprache in Texten anzuwenden. Doch bestimmte Regeln sind allgemeingültig und sollten beachtet werden, wenn man sich dafür entscheidet, zu gendern.

 

Diese Gender-Methoden gibt es:

 

1. Ausschreiben

Man kann sich die Mühe machen, alle Formen auszuschreiben. 

Das funktioniert manchmal gut: 

 

Liebe Genossinnen und Genossen.

 

Aber auch das kann passieren:

 

Der Patient oder die Patientin geht zu seinem oder seiner bzw. ihrem oder ihrer Ärztin oder Arzt.

 

Zwar ist alles grammatikalisch korrekt, aber auch schrecklich unübersichtlich. Nachteil ist ebenso, dass weitere Geschlechter nicht berücksichtigt werden.

2. Binnen-I und Schrägstrich

Die Methoden des Binnen-I und des Schrägstrichs sind eher veraltet und werden immer seltener verwendet, da auch hier nur das männliche und das weibliche Geschlecht angesprochen werden.

Weiterer Nachteil: Grammatikalisch wird vieles falsch wiedergegeben.

 

Liebe LeserInnen

Liebe Kund/innen

 

Die männlichen lieben Kunden werden hier grammatikalisch nicht korrekt abgebildet.

3. Abwechselnd

Eine gute Möglichkeit ist, abwechselnd männliche und weibliche Formen zu verwenden. 

 

Politikerinnen sprechen mit Bürgern und hoffen so, Wählerinnen und Unterstützer zu gewinnen.

 

Es muss nicht streng abgewechselt werden, aber passt auf, nicht klischeehaft die Geschlechter zu verteilen. Es sollte also nicht nur von Arzthelferinnen und Automechanikern gesprochen werden. Nachteil ist auch hier, dass weitere Geschlechter nicht berücksichtigt werden. Vorteil: Die Lesefreundlichkeit ist wesentlich höher als bei den anderen Methoden.

4. Gender-Gap, Doppelpunkt, Sternchen

Dann gibt es noch Gender-Gap, Doppelpunkt und Sternchen, wobei sich Letzteres durchzusetzen scheint. Vorteil ist hier, dass auch weitere Geschlechter angesprochen werden. Nachteil: Oft sind diese Formen grammatikalisch falsch oder unübersichtlich, was für Personen, die Deutsch lernen oder kognitive Einschränkungen haben, zu einer schweren Verständlichkeit führt. Und der Lesefluss ... ihr wisst schon.

 

Der*Die Schaffner*in kontrolliert die*den Reisende*n.

 

ein:e Leser:in

 

Der_Die Bürger_in ...

 

Den Busfahrer*innen werden Pausen gegönnt. 

 

Hier wird die grammatikalisch korrekte Form „den Busfahrern“ erneut nicht wiedergegeben.

 

Aufgepasst!

 Bei allen Methoden solltet ihr folgende Punkte beachten:

 

  • Wichtig ist, konsequent zu gendern. Wenn von Richter*innen, Jurist*innen und Zeug*innen die Rede ist, müssen natürlich auch konsequent die Begriffe Täter*innen und Verbrecher*innen gegendert werden.
  • Bleibt bei einer Gender-Methode: mal Sternchen und dann wieder Schrägstrich nach Lust und Laune geht nicht.
  • Für alle Methoden gibt es die Möglichkeit, neutrale Formulierungen zu nutzen, z. B. Fahradfahrende, Personal, Team, Studierende.

Nachteil: Manche Formulierungen wirken sehr konstruiert und ungewöhnlich, z. B. zu Fuß Gehende, Autofahrende. Vielleicht ändert sich aber auch hier allmählich unser Sprachgefühl.

Manche Begriffe können nicht neutral formuliert werden. Von Begriffen wie „Feuer löschende Personen“ für Feuerwehrfrauen und -männer rate ich ab, oder wie sollten Polizist*innen neutral benannt werden? Auch der Begriff der Ärzteschaft bildet nicht die Ärztin ab und fällt somit weg.

  • In vielen Texten stellt sich schnell die Frage, was eigentlich alles gegendert werden muss oder soll. Muss es konsequent Bürger*innenmeister*innen heißen? Ist es der Fußgänger*innenweg, auf dem ich laufe? Ist es falsch, nur von „Turnschuhproduzenten“ zu sprechen, wenn es sich lediglich um Firmen handelt?

Mein Rat hier: Schaut euch zunächst an, an wen sich der Text richtet. Wenn es ein einfaches Kundenmagazin (Kund*innenmagazin?) ist, dann verzichtet lieber auf diese komplizierten Formen. Ist es ein politischer Text für bestimmte Organisationen, kann man schon eher darüber nachdenken. Ist die Leser*innenschaft älter oder jünger, eher konservativ oder progressiv?

  • Überlegt euch, ob der Plural weiterhelfen kann. Aus dem Satz:

Der*Die Patient*in geht zu ihrem*ihrer seinem*seiner Ärzt*in.
wird:
Patient*innen gehen zu ihren Ärzt*innen. 


Drei Sternchen gespart, der Satz liest sich viel flüssiger.

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