Ein Wort zur Kalkulation

Ich höre oft von potentiellen Kunden die Frage: „Was kostet denn die Bearbeitung von fünftausend Wörtern?“ So auch gestern wieder. Meistens kann ich meinem Gegenüber erklären, dass ich mit dieser Angabe relativ wenig anfangen kann. Man stelle sich vor, man fragt einen Malermeister, wieviel denn das Streichen von drei Wänden kostet? Kein seriöser Malermeister wird sofort eine Summe nennen. Er muss wissen, wie groß die Wände sind, wie der Untergrund beschaffen ist, was für eine Farbe gewünscht wird. Mindestens.

Und so gebe ich auch keine Prognose über Kosten oder Bearbeitungszeit ab, bevor ich den zu bearbeitenden Text nicht einmal gesehen habe, oder zumindest einen vergleichbaren Text (z. B. den Geschäftsbericht aus dem Vorjahr).

Einen groben Überblick kann man auf meiner Preisliste erfahren. Aber ich weiß vorher nicht, ob ich für eine Seite 10 Minuten oder eine Stunde benötige. Folgendes ist wenigstens zu berücksichtigen:

– Was wird gewünscht: Lektorat oder Korrektorat?

– Wie umfangreich ist der Text? (Normseiten werden nach Zeichenangaben berechnet, nicht nach Wörtern)

– Wie hoch ist der Bearbeitungsbedarf?

Mindestens für die letzte Frage brauche ich das Dokument. Wie oft schon stellte sich der Text als dreimal so lang heraus wie angekündigt, die PDF-Seiten waren doppelt bedruckt oder alles musste komplett umgeschrieben werden. Und erst nach Sichtung kann konkret besprochen werden, was getan werden muss zu welchem Preis und bis wann.

 

Der Kunde gestern wollte mir das Dokument nicht vorab zur Sichtung geben, da es super geheim wäre. Mein Angebot, eine Verschwiegenheitserklärung abzugeben, lehnte er ab. Der Auftrag kam nicht zustande, auch weil wenig Verständnis für meine Arbeit gezeigt wurde. Ich gebe nur seriöse Angebote ab. 

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